Das ist Saarbrücken

Saar-was?

Wenn dir jetzt durch den Kopf geht, dass du von diesem Saarbrücken noch nie etwas gehört hast und du auch nicht genau weißt, wo Saarbrücken auf der Landkarte verortet werden kann, dann bist du nicht alleine. So ist es vielen von uns gegangen, bevor wir hier hergekommen sind. Überhaupt, das Saarland, ist das nicht so etwas wie der Osten im Westen? Ein strukturschwaches Bundesland mit Bergbauvergangenheit, das noch gar nicht so lange zur Bundesrepublik gehört?

Industriekultur

Richtig, das Saarland gehört erst seit 1957 zur Bundesrepublik und war früher eine Kohlebergbauregion mit viel Industrie. Die Zeugnisse des lang vergangenen Industriezeitalters lassen sich im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, 20 Minuten mit dem Zug von Saarbrücken entfernt, betrachten. Hier wurde noch bis 1986 Eisen verhüttet. Na, wer hat schon mal so nah an einem Weltkulturerbe gelebt? Aber auch sonst finden sich überall im Saarland Überreste der Industriekultur. Sei es ein verlassener „Gruuweturm“, eine der vielen Eisenhütten (ja, die Völklinger Hütte ist nicht die einzige) oder einfach nur die schlichten Arbeiterhäuschen, die man auch in Saarbrücken an dieser und jener Ecke entdecken kann.

Altstadt

Wen staubige Monumente nicht reizen, der kann aber auch viele andere schöne Dinge an Saarbrücken finden. Zum Beispiel die schöne Altstadt. In deren Zentrum liegt der St. Johanner Markt, ein kleiner, von gemütlichen Cafés, Eisdielen, Kneipen und kleinen Läden umringter Platz, in dessen Mitte ein weißer Brunnen zum Sitzen einlädt. Bis spät in die Nacht hinein sind die kleinen Cafétischchen, die eng an eng rund um den Platz herum stehen, besetzt mit ausgelassenen Kneipengästen. In Verlängerung kommt man auf die Mainzer Straße mit vielen Kneipen und Gastronomien, auch ein beliebtes Studentenviertel. Auch Shoppen kann man in Saarbrücken: gleich vom St. Johanner Markt aus führt die Bahnhofstraße zum Hauptbahnhof, Saarbrückens Shoppingmeile. Besonders der Primark lockt auch die benachbarten Franzosen nach Saarbrücken. In der Europagalerie, einem Shoppingcenter nahe am Hauptbahnhof, das sich in der schön restaurierten ehemaligen Bergwerksdirektion befindet, kann man nach Lust und Laune shoppen oder einfach einen Kaffee trinken oder etwas kleines essen. Auf der anderen Seite der Saar, in Alt-Saarbrücken, kann man die Ludwigskirche entdecken. Eine majestätische Barockkirche, außenrum schicke weiße Altbauhäuser und gleich nebendran das (zugegeben eher unscheinbare) Schloss.

Kneipenviertel

Auch das Nachtleben kommt in Saarbrücken nicht zu kurz. Vor allem das Kneipenviertel „Nauwieser Viertel“ erwacht nachts zu buntem Treiben. Hier kann man in gemütlicher Atmosphäre von Kneipe zu Kneipe tingeln – eine Sperrstunde kennt das „Nau“ nicht – bis man in den verwinkelten Gassen des Viertels den Heimweg nicht mehr findet. Auch tagsüber hält dieses wirklich sehr besondere Viertel so manche Überraschung bereit. Das Café „Kostbar“ ist ein Geheimtipp: ganz versteckt liegt es in einem lauschigen Innenhof zwischen Backsteingebäuden – hat man es einmal gefunden, kommt man immer wieder. Für Cinéasten ist das Kino 8 ½ gleich nebenan ein Muss, dieses niedliche Kino besteht aus genau einem Raum mit vielleicht 50 Sitzen und zeigt tolle Independent-Filme. Am besten gleich nach einer Wohnung im Nau schauen – zentraler und kultiger geht’s nicht!

Frankreich um die Ecke

Und dann hat Saarbrücken noch ein unschlagbares Plus: die Nähe zu Frankreich. Saarbrücken ist die einzige Stadt in Deutschland, von der aus man mit der Straßenbahn direkt ins Ausland fahren kann. Mit dem Semesterticket kann man kostenlos einen kleinen Kurzurlaub nach Frankreich machen, einen Café au Lait trinken, leckere Croissants snacken und die Französischkenntnisse aus der Schule ein wenig aufpolieren. Wer gerne joggen, radfahren oder spazieren geht, sollte unbedingt mal den St. Arnualer Felsenweg ausprobieren – entlang eines Hügelkammes geht es einen wunderschönen Waldweg mit Aussicht auf ganz Saarbrücken entlang, über die französische Grenze, vorbei an Kriegsfriedhöfen und alten Bunkern, bis der Wald sich lichtet und man plötzlich zwischen weiten Wiesen und kleinen Bauernhöfchen mitten im französischen Dorfleben steht.

Grillen und Chillen an der Saar

Im Sommer kommt man in Saarbrücken nicht um den Staden herum. Der Staden ist eine kilometerlange Wiese, die sich entlang des Saarufers zieht. Hier ist bei gutem Wetter die ganze Stadt versammelt und geht der saarländischen Lieblingsbeschäftigung nach – dem Schwenken (für Nicht-Saarländer: Grillen). Jedes Frühjahr wird mit großem Tamtam die Grillsaison eröffnet und sobald das Wetter gut wird, kann man dem Duft nach leckerem Grillfleisch nicht mehr entkommen. Wer an einem sonnigen Tag am Ufer entlang flaniert, kommt vorbei an einladenden Biergärten, spazierenden Familien, dem einen oder anderen schnaufenden Jogger, Grüppchen von Studenten, die faul im Gras liegen und die schöne Seite des Studentenlebens auskosten. Wer sich ganz weit vor bis ins Industriegebiet am Osthafen wagt, der entdeckt noch einen Geheimtipp: das erste, was ins Blickfeld kommt, ist ein bunt bemalter, alter, rostiger Bus. Drumherum lauter außergewöhnliche Sitzgelegenheiten, mal eine Hollywoodschaukel, mal ein alter Sessel: ein Café/Kneipe in und um einen alten Fabriksilo! Auf der gegenüberliegenden Seite liegt noch ein Paradies für Jogger und Spaziergänger: das Naturschutzgebiet St. Arnualer Wiesen. Eigentlich sollte es ein Industriestandort werden, über die Jahre ist es verwildert und heute kann man zwischen üppigem Grün noch alte Eisenbahnschienen und eine große, stillgelegte Brücke sehen.

Neugierig geworden?

Saarbrücken ist bestimmt nicht die Studentenmetropole, aber es ist „mo ebbes anneres“. Man muss sich Zeit nehmen für Saarbrücken, es erkunden und lieben lernen. Wer auf der Suche nach einer netten, kleineren Stadt mit dem gewissen etwas ist, der ist in Saarbrücken richtig.